Ursprünge


Über die Ursprünge der im 15. Jahrhundert durch Wallfahrten bekannten Kirche bestehen bis heute widersprüchliche Auffassungen. O. Mühlmann (1986/87) vertritt in Übereinstimmung mit P. Glaue die Auffassung, dass es einen Vorläuferbau gegeben und bereits Mitte des 14. Jahrhunderts in Ziegenhain eine Marienkapelle gestanden hat. Fundamentreste, die bei der Sanierung der Kirche im Oktober 1990 freigelegt wurden, könnten ein Beleg für die Existenz einer Kapelle vor dem Bau der jetzigen Kirche sein (Storch, Dokumentation, 1991, S. 11).
Auch der Taufstein (Abb. rechts) in der Kirche, der dem 13. Jahrhundert zugeordnet wird, kann als Zeugnis für eine ältere religiöse Stätte in Ziegenhain angesehen werden. Demgegenüber betont G. Jahreis (2007), dass sich aus den Urkunden in den Pfarrakten keine Hinweise auf einen Vorgängerbau in Ziegenhain ergeben. Die freigelegten Mauerreste werden als Fundamente eines Profanbaus angesehen. Mit einiger Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass bereits vor dem Bau der jetzt noch erhaltenen Kirche im 14. Jahrhundert ein Marienbild in Ziegenhain verehrt wurde. Das Bild ist nicht mehr vorhanden, auch finden sich in den historischen Unterlagen keine Beschreibungen.
Aus den noch vorhandenen Pilgerzeichen (Abb. rechts unten) lässt sich aber eine Vorstellung von dem Marienbild machen. Diese Zeichen zeigen die Muttergottes mit dem Jesuskind unter einem reichen gotischen Baldachin. Unterhalb des Rahmens befindet sich ein Wappen mit dem Thüringer Löwen.
Die Pilgerzeichen belegen die Bedeutung von Ziegenhain als Wallfahrtsort. Diese Zeichen geben auch Zeugnis von der Herkunft der Pilger, wenn sie der jeweiligen Heimatkirche gespendet wurden. Man findet noch heute Pilgerzeichen von Ziegenhain am Mantel der Kirchglocken von Großkrobitz, Graitschen, Arnshaugk, Wetzdorf, Großkochberg, Großurleben und Ranis in Thüringen, aber auch in Hainchen oder Krumpa bei Merseburg in Sachsen-Anhalt (H. Scurie 2000).