Langhaus

Nach dem Tode Albrechts III (1427) und durch den sächsischen Bruderkrieg (1446 – 1451) wurden die Bauarbeiten an der Kirche unterbrochen. Ablassbriefe von Papst Nikolaus V. (1453) und von Papst Paul II. (1466) schafften finanzielle Möglichkeiten für den weiteren Bau der Kirche (P. Glaue, S. 16; O. Mühlmann, Anmerkung S. 132). Ab 1466 wurde das Baugeschehen wieder sichtbar belebt.
In dieser Zeit entstand ein dreischiffiges Langhaus mit dem spätgotischen westlichen Portal. Wie Steinmetzzeichen belegen (Abb. rechts) war auch hier – wie in der Michaliskirche von Jena – einer der Baumeister Peter Heierliß (geb. 1440). Vermutlich war das dreischiffige Langhaus vor der Reformationszeit so weit fertig gestellt, dass die Wallfahrten nach Ziegenhain in vollem Umfang durchgeführt werden konnten. Durch das heute noch erhaltene Westtor betraten die Pilger mit Blick in den Chor die Hallenkirche (Abb. unten links).
Offensichtlich bereiteten bereits ab 1450 Setzungserscheinungen im Baugrund Schwierigkeiten bei der Fortsetzung der Bauarbeiten. Möglicherweise führten diese Schäden zum Einsturz des Deckengewölbes. Die Wallfahrten wurden dadurch aber offenbar nicht wesentlich beeinträchtigt. Um 1500 war die Marienkirche in Ziegenhain mit Abstand die reichste Kirche in und um Jena.
Bis zur Reformation war das Langhaus wahrscheinlich abgedeckt, wie die Putzreste an den oberen Ruinenwänden und die Balkenauflagen belegen (Abb. unten Mitte und rechts). Das Langhaus verfiel und wurde als Quelle für Baumaterial genutzt.


