Chorraum

Der aus Muschelkalk im ersten Viertel des 15.Jahrhunderts errichtete gotische Bau bestand zunächst aus einem »ansehnlichen« Chorraum mit fünf spätgotischen Fenstern und einer vermutlich gotischen Einwölbung (Abb. rechts). Um 1430 wurde der Chorraum mit einer großflächigen Wandmalerei ausgestaltet, die auch ein Zeugnis des mittelalterlichen Marienkults gibt.
Noch erhalten ist an der Nordseite die Darstellung von Maria mit dem Kind und der Verehrung durch die Heiligen Drei Könige mit ihren Opfergaben (Abb. unten links). Über dieser Szene sieht man drei Burgen – vermutlich Greifberg, Kirchberg und Windberg – auf dem Hausberg nördlich von Ziegenhain. Links der mittleren Burg erstrahlt ein Stern mit einem Engel, der als »Stern von Bethlehem« gedeutet werden kann. Das Wandbild entspricht der mittelalterlichen Tradition, biblische Geschichte in einer heimischen Landschaft darzustellen.
Ein weiteres Zeugnis der gotischen Gestaltung des Chorraumes sind die Reste eines Flügelaltars (Abb. unten Mitte). Er enthält noch deutlich erkennbare Nischen für Figuren mit Heiligenschein unter einem gotischen Maßwerk. Die Figuren sind nicht mehr erhalten. Bei der Umgestaltung der Kirche zur Dorfkirche im späten 17. Jahrhundert wurde der goldene Untergrund mit Motiven aus der biblischen Heilsgeschichte übermalt. In der Mitte sieht man den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes, im linken Flügel ist Moses mit der ehernen Schlange und die Opferung Isaaks durch Abraham dargestellt. Der rechte Flügel zeigt Christus mit der Kreuzfahne und den auf der Weltkugel thronenden Christus.
Eine wissenschaftshistorische Besonderheit sind die Studentenkritzeleien auf dem Flügelaltar und den Kirchenwänden. Zwischen 1591 und 1635 finden sich allein 353 studentische »Eintragungen« auf dem goldenen Hintergrund des Flügelaltars (L. und K. Hallof 1991).

